Auch bei 15.000 Teilnehmern ist Lima nicht am Limit

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Lima präsentiert sich als weltoffene und lebendige Metropole, Fotos: Fernando López

Durch die Weltklima-Konferenz rückte der Andenstaat in den Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit. Die COP20 sollte die Grundlage für die Verhandlungen in Paris schaffen. Letztlich konnte mit mehr als 30-stündiger Verspätung das Lima-Papier verabschiedet werden, das die Grundlage für ein neues Klimaabkommen darstellt. In Paris soll 2015 während der nächsten Konferenz das neue Abkommen unterzeichnet werden. Vorgelegt wurde es von Manuel Pulga-Vidal, Perus Umweltminister. Neben den aktuellen Klima-Themen, die besprochen wurden, sind die Rahmenbedingungen für Planer das eigentlich Interessante.

Denn zurzeit verfügt Lima noch nicht über ein eigenes Convention Center. Das war während der Riesen-Konferenz noch in der Bauphase. Wohin also mit den mehreren tausend Delegierten aus aller Welt? Hotelkapazitäten sind ausreichend vorhanden, die Größe verfügbarer Hallen aber zu gering. Die Lösung für das Problem ist typisch peruanisch. Weil es die Temperaturen erlauben, haben sich die Peruaner daran gewöhnt, Großveranstaltungen in Zelte auszulagern. Mal gewollt, mal situationsbedingt nötig.

So entstand auf dem Gelände des militärischen Hauptverwaltungsgebäude, dem Pentagonito, im Distrikt San Borja, eine kleine Zeltstadt, die sämtliche Logistik und Konferenzräume beheimatete. Für Europäer, die in den meisten Fällen riesige Konferenzkapazitäten in starren Gebäuden gewöhnt sind, war es sicherlich im ersten Moment ein etwas seltsamer Anblick bei der Ankunft: Zelte, wohin das Auge blickt – seien es Registrierungs-Counter, Sicherheitskontrollen oder Auditorien und Presse-Center. Und nebenan, hinter dem Zaun, noch ein militärischer Trainingsparcours inklusive obligatorischem „Schlammloch“, Kletterseilen und der schier unüberwindbar wirkenden Holzmauer. Trotz der -etwas anderen Unterbringungsart war die Stimmung auf dem Pentagonito sehr angenehm. Weil Klimaanlagen Kühle spendeten, waren sowohl das Hauptzelt, in dem beispielsweise der Generalsekratär der Vereinten Nationen Ban Ki-moon die dringlichen Klimaprobleme erörterte, als auch das Nebenzelt, in dem hauptsächlich Presse und andere Interessierte Platz nahmen, trotz der Temperaturen um die 30 Grad angenehm temperiert. Auch der Campus-Flair, der durch die einzelnen Zeltbauten entstand, war besonders in den Pausen bei den Teilnehmern beliebt. Mit der Organisation und Durchführung der COP20 hat Lima eindeutig bewiesen, für Großkongresse bereit zu sein.

Aber auch abseits der COP zeigt sich die Hauptstadt des Andenstaates als weltoffener Gastgeber. Im eigentlichen Stadtgebiet Limas leben derzeit mehr als sieben Millionen Menschen. In der Konurbation mit der Hafenstadt Callao – durch die starke Expansion Limas im Laufe der vergangenen Jahre gehen beide Städte ineinander überleben dort sogar über neun Millionen Einwohner. Gemeinsam sind beide Städte als die Metropolregion Lima bekannt. Von Europa aus ist Lima per Direktflug von Amsterdam und Paris erreichbar. Der Zusammenschluss aus KLM und Air France als größter europä-ischer Carrier des Skyteam-Verbunds ist einer der größten Carrier für europäische Gruppen. Gelandet wird auf dem Internationalen Flughafen Jorge Chávez, der seit 2011 jährlich bei den Skytrax-Awards als bester Flughafen Südamerikas ausgezeichnet wird. 2005 und 2009 konnte der Airport ebenfalls den ersten Platz für sich verbuchen. Um Standards und Erreichbarkeit noch weiter zu erhöhen, soll der Flughafen in den nächsten Jahren noch weiter wachsen. Bis 2016 soll das Gelände um mehrere Quadratkilometer ausgedehnt werden. Eine weitere Landebahn, sowie ein weiteres Terminal sind in der Planung beziehungsweise im Bau. Weiterhin soll ein Einkaufs- und Kongresszentrum entstehen.

Wer den Flughafen verlässt, sollte sich übrigens besser nicht selbst hinters Steuer setzen. Zwar herrscht hier genau wie in Europa Rechtsverkehr, dennoch sind die Gepflogenheiten auf den Straßen der Metropole mehr als gewöhnungsbedürftig. Lima verfügt zwar über ein sehr gut ausgebautes Straßennetz, doch durch das starke Wirtschaftswachstum – viele Jahre lag es im zweistelligen Prozentbereich – konnten sich viele Menschen ein eigenes Auto leisten. Das kann das Straßennetz nicht mehr verkraften. Daher wirkt der reguläre Straßenverkehr für Europäer eher als grenzenloses Chaos denn geregelter Verkehrsfluss und ist auf den ersten Blick eine wahrlich riskante Mutprobe. Offiziell organisierte Transfers sind daher die sicherste Lösung von A nach B.

Erstklassige Hotellerie über das ganze Stadtgebiet verteilt

Die Top-Location für Veranstaltungsplaner in Lima ist das Westin Lima Hotel & Convention Center. Hier schliefen auch während der Klima-Konferenz alle wichtigen politischen Köpfe. Das Fünf-Sterne-Haus liegt im Geschäftszentrum San Isidro. Auf insgesamt 30 Etagen verteilen sich 301 Zimmer, zwei Restaurants, sowie ein Innenpool mit Wellness- und Fitnessbereich. Für den geschäftlichen Anlass steht die derzeit größte Tagungs- und Kongresseinrichtung Perus zur Verfügung. Im dritten und vierten Stock befinden sich alle Tagungsräume des Hotels. Größter Raum des Ensembles ist der Ballsaal für bis zu 2.000 Personen. Mit einer Deckenhöhe von sechs Metern eignet er sich hervorragend für Groß-veranstaltungen. Weitere neun Räumlichkeiten stehen verteilt auf beiden Etagen in unterschiedlicher Größe bereit. Ein kleines Highlight des Konferenz-bereiches ist die überdachte Garten-terrasse, die sowohl in Kombination als auch eigenständig als Location genutzt werden kann. Bis zu 200 Personen finden hier bei einem Cocktailempfang Platz. Bei einem Seated Dinner etwa 150.

Ähnlich hohe Hotellerie-Ansprüche erfüllt das JW Mariott im Stadtteil Miraflores; direkt an den beeindruckenden Steilklippen befindet sich das Vier-Sterne-Superior-Haus. Für Planer stehen 300 Zimmer und 15 Meetingräume – teil-weise mit Meerblick – zur Verfügung. Der größte Raum ist der San-Martín-Ballsaal, der sich auf 570 Quadratmeter erstreckt und sich in sechs kleinere Räume unterteilen lässt. Alle Räumlichkeiten des Hauses befinden sich auf einer Ebene und können daher auch das angeschlossene Foyer für Pausen oder ähnliches nutzen. Für einen kleinen Empfang mit außergewöhnlicher Atmosphäre steht die 354 Quadratmeter große Terrasse bereit, die mit einzigartigem Meerblick oberhalb der Klippen punktet. Ebenfalls in Miraflores beheimatet ist das Belmond Miraflores Park. Sieben Veranstaltungsräume stehen hier zur Verfügung, die sowohl für elegante Dinner als auch für Konferenzen hervorragend geeignet sind. Die Maximalkapazität liegt bei bis zu 400 Personen.

In Baranco, dem Künstlerviertel Limas, findet sich das Hotel B. Das etwas unkonventionelle Boutique-Hotel eignet sich insbesondere für kleine Gruppen, da das erste Kunst-Boutique-Hotel Limas, gerade einmal insgesamt 17 Zimmer beherbergt. Bedingt durch die Architektur des Hauses sind alle Zimmer individuell gestaltet und mit zahlreichen Kunstwerken ausstaffiert. Ein absolut charmantes Haus, das sich bei Exklusiv-Buchungen auch für kleinere Tagungen oder Work-Sessions eignet.

Ein weiterer Big-Player der Hotellerie in Lima ist das Sheraton Lima Hotel & Convention Center. Das Haus vor den Toren der historischen Altstadt präsentiert sich als das typisch mondäne Sheraton. Klassische Farben und hochwertige Ausstattung gehören hier genauso zum Portfolio wie der umfangreiche Konferenzbereich auf etwa 1.500 Quadratmetern. Sieben Tagungsflächen stehen Planern hier zur Verfügung. Empfänge für bis zu 850 Personen sind ohne Probleme realisierbar. Kleinere Räumlichkeiten für bis zu 30 Personen sind aber ebenso vorhanden.

Für kleine Ausflüge stehen in Barranco zahlreiche Adressen zur Verfügung. Besonders merken sollten sich Planer allerdings zwei: Das Mate-Museum und das Pedro de Osma Museum. Ersteres widmet sich dem Porträt- und Modefotografen Mario Testino und wurde auch von ihm gegründet. Der in Lima geborene Star-Fotograf hatte schon viele Promis vor der Linse. Von Models wie Gisele Bündchen oder Kate Moss bis hin zu Prominenten wie Madonna. Seine wohl bekanntesten Werke sind aber die Bilder von Prinzessin Diana, die im Rahmen einer Coverstory für die Vanity Fair kurz vor ihrem tragischen Unfall in Paris entstanden. In einer eigenen Abteilung innerhalb des Museums sind diese Arbeiten heute ausgestellt. Neben den beeindruckenden Fotografien der Prinzessin hängen Texttafeln, die das Shooting anhand von Zitaten Testinos beschreiben. Ein sehr persönlicher Einblick.Das Pedro de Osma Museum hingegen widmet sich eher den historischen Aspekten. Untergebracht in einem alten Herrenhaus findet sich eine der umfangreichsten Bildersammlungen Perus, deren Entstehung bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Darüber hinaus sind christliche Statuen, antike Möbel und eine immense Silbersammlung inklusive Münzen und Schmuck Teil der Ausstellung.

Ein Abstecher in die Altstadt ist Pflicht

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Historisch charmant: seit 1991 ist der Stadtkern Limas UNESCO Welterbestätte.

Ob nun von San Isidro, Miraflores oder Barranco aus, eine kleine Tour durch die Altstadt sollten MICE-Profis unbedingt in die Planung einbeziehen. Seit 1991 ist das historische Zentrum als Weltkulturerbe gelistet und versprüht südamerikanischen Charme an allen Ecken. Durch das milde Klima sind die berühmten Plätze wie der Plaza Mayor oder Plaza San Martin meist sehr belebt und werden von den Einheimischen gerne als Treffpunkt genutzt. Die historische Architektur der Altstadt wurde zum großen Teil erhalten und liebevoll restauriert. Wer sich noch tiefer in die Historie Perus begeben möchte, sollte dem Larco Museum noch einen Besuch abstatten. Nur 15 Minuten vom historischen Kern entfernt, findet sich das Museo Arqueológico Rafael Larco Herrera, wie es vollständig heißt. Auf den Überresten einer Pyramide aus dem siebten Jahrhundert gebaut, beherbergt das Museum heute rund 45.000 Artefakte unterschiedlicher Natur. Skulpturen, Schmuck, Textilien und Keramik führen durch 4.000 Jahre Geschichte. Für Planer macht das Museum aber noch aus einem weiteren Grund Sinn. Denn auf dem Gelände des Museums befindet sich auch ein Restaurant, das sich für Veranstaltungen bespielen lässt. Inmitten des Museumsgartens können hier stimmungsvolle Dinner auf kulinarischem Top-Niveau organisiert werden.

Apropos kulinarisches Top-Niveau. Bei den letzten World Travel Awards wurde Peru bereits zum dritten Mal in Folge zur „World’s Leading Culinary Location“ gewählt. Und wer schon einmal in Peru diniert hat, den wundert es kaum. Die Fokussierung auf lokale Produkte und die kulinarische Tradition des Landes zaubert Geschmackserlebnisse auf den Teller. Beispielsweise Ceviche sollte bei jeder Peru-Reise in den Speiseplan integriert werden. Das traditionelle peruanische Gericht besteht aus in Scheiben geschnittenem rohem Fisch, der für etwa 15 Minuten in heißem Limettensaft mariniert wird. Durch das Marinieren wird der Fisch gekocht und mit roten Zwiebeln und Rocoto – einem wirklich sehr scharfen peruanischen Gemüse – abgerundet. Meist werden dazu Maiskörner und Süßkartoffeln als Beilage serviert. Wirklich lecker! Aber nicht nur kulinarisch konnte Peru bei den Awards punkten. So wurde der Andenstaat auch in den Kategorien „South America’s Leading City Break Destination“, „South America’s Leading Cultural Destination“, „South America’s Leading Heritage Destination“ und „World’s Leading Tourism Authority Website“ als Sieger gekürt.

Ein Kongresszentrum für die Zukunft

Bis August 2015 soll in Lima das Centro Convenciones de Lima — kurz CCL — fertiggestellt waren. Und anders als bei vielen europäischen Großbaustellten kann der Termin wohl gehalten werden. Auf 10.700 Quadratmetern entsteht derzeit das Convention Center, das Lima unbedingt benötigt. 18 Konferenzsäle und eine Kapazität von bis zu 10.000 Besuchern sind die Kennzahlen für das neue Gebäude, das Lima in der Tagungsbranche weiter nach vorne bringen soll. Rund 140 Millionen Euro lässt sich die peruanische Regierung das Vorhaben kosten, das auf einem Grundstück in San Borja realisiert wird.

Von Anna-Lena Gras

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