3 praktische Ansätze für internationale Konferenzen in Lettland, um von der Innovationskultur im Land zu profitieren

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Unternehmen oder Organisationen, die ihren zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg sichern wollen, müssen Komfortzonen verlassen und sich neuen Zusammenhängen öffnen. Um hier eine Navigationshilfe anzubieten, wie internationale Konferenzen dabei helfen können, kuratieren wir aus dem Schatz an tollen Ideen in Lettland praktische Beispiele und Anregungen für neue Inhalte und Wissensaustausch, die in Tagungen mit einbezogen werden können.

Latvia
Foto: LIAA incubator Valmiera

Der Konferenzplaner hat die Möglichkeit, Ideen rund um Schlüsselindustrien, Clusterentwicklung, Politikgestaltung und digitalen Angeboten zu inspirierenden neuen Veranstaltungen zusammenzufügen, um die Veranstaltung mit neuen Ebenen für aktive Problemlösung und Legacy zu bereichern.

Die hervorragende Innovationskultur in Lettland hat verschiedene Gründe:

  1. Pro-aktive Gestaltung und – Anwendung von politischen Grundlagen und Richtungsentscheidungen
  2. Ausgeprägte Förderung von Start-ups und zahlreiche praktische Beispiele für daraus entstandene erfolgreiche Geschäftsideen
  3. Eine ausgeprägte Digital Economy und neue Services für Konferenzen die immer neue Ideen für Formate und Anwendungslösungen bietet.

 

Zu 1)

Die Bereitstellung von Grundlagen und unterstützende Gestaltung einer Förderungskultur vonseiten der Regierung und der Gemeinden vereinfacht neue Ansätze und ebnet die politischen und praktischen Voraussetzungen für die Entstehung eines innovativen Ökosystems.

Zu sehen am Beispiel der lettischen Investitions- und Entwicklungsagentur (LIAA), deren Hauptaufgabe es ist, sich um ausländische Direktinvestitionen und die Unterstützung von Exportmöglichkeiten für Unternehmen mit Sitz in Lettland zu kümmern. Neben vielen anderen Initiativen ist die Agentur auch die Alma Mater von Magnetic Latvia Start-up – und unterhält derzeit 15 Gründerzentren (Business Inkubators) in ganz Lettland sowie ein Gründerzentrum für die Kreativwirtschaft in Riga.

Mit ihren Programmen PINK und INK (pre-Inkubation und Inkubation) wird ein praktischer Ansatz für die Beschaffung und Unterstützung neuer Ideen, Produkte und IT-Dienstleistungen geboten, und mit Mentoring, Beratung, Gründungshilfen und vielem mehr bei der Überwindung von Hindernissen in der Starter Karriere geholfen.

Idee Nr. 1 für praktische Umsetzung

Idee Nr. 1 für praktische Umsetzung

Konferenzveranstalter können diese Erfahrung und das breite Netzwerk der Politikgestaltung nutzen, um gezielte Beispiele für Förderkultur für ihr Umfeld zu entwickeln und sich darüber als Teil der Veranstaltung austauschen.

Zu 2)

Die Förderung von Innovationen muss am Punkt Null beginnen und die Möglichkeit des Scheiterns mit einbeziehen. Sie beginnt mit der aktiven Suche nach neuen Ideen und Programmen und Hilfestellung, wie diese gefördert und zur Problemlösung eingesetzt werden können.

Der Business Inkubator in Valmiera in der Vidzeme Region kann dies gut veranschaulichen. Jurgis Prieditis, der den Inkubator seit 2018 als Direktor leitet, erklärt uns, warum seine Stadt ein so besonders guter Standort dafür ist. Als ehemalige Industriestadt hat Valmiera eine Tugend aus der „Not“ brachliegender Industriegelände und Leerstand von Gebäuden gemacht und die Stellung der Stadt rund um dieses „Kapital“, aber auch auf dem traditionell existierenden starken und aktiven Netzwerk lokaler Unternehmen und Organisationen aufgebaut und hat sich so ein Herausstellungsmerkmal als idealer Standort für neue Unternehmen in Lettland geschaffen.

Die Stadtverwaltung Valmieras konzentriert sich u. a. darauf, Unternehmer zu unterstützen und die Neuansiedlung von Firmen mit vielen Maßnahmen zu fördern. So wird zum Beispiel Steuernachlass für den Erwerb von Grundstücken und Immobilien gewährt und Netzwerk Aktivitäten, Infrastruktur, Unterstützung und Beratung u.v.m. angeboten. Über die Einbeziehung des Business Inkubators wird der Kreativitäts-Horizont erweitert und gezielt nach neuen Lösungen gesucht, die den Unternehmen helfen und Chancen für die Studenten und Startups schaffen. Die enge Zusammenarbeit zwischen und der regelmäßige Austausch von Stadt, Universität (s. Auch….) und dem Business Inkubator spielen deshalb eine maßgebliche Rolle und werden durch ein effizientes Netzwerk auf regionaler und landesweiter Basis unterstützt.

So beteiligen sich auch die Lettische Industrie- und Handelskammer sowie natürlich die Investment- und Development Agency an der Optimierung von staatlichen, städtischen und privaten Initiativen.

Lettland
Jurgis Prieditis, head of incubator Valmiera courtesy. Foto: LIAA Valmiera

Derzeit befinden sich 36 Unternehmen im Inkubationsprogramm. Im Oktober konnten 5 neue Unternehmen aus dem Einzugsgebiet der Region Vidzeme Anträge für eine Neuaufnahme im Programm stellen.

Das System ist „ergebnisorientiert“ und an die Erwartung eines bestimmten Umsatzes nach maximal 3 Jahren Förderung gebunden. Das Hauptziel besteht darin, die Gesamtanzahl der erfolgreich abschließenden Projekte laufend zu verbessern. Jurgis hat in seiner Zeit seit 2018 mehr als 58 Verträge geschlossen, von denen die aufgeführten 36 Projekte noch an ihren Ideen arbeiten – im Maßnahmenpaket werden auch Co-working Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt.

Um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken, sind Networking-Events für den Austausch zwischen Start-ups und der lokalen Industrie und Geschäftswelt besonders wichtig. Der Inkubator arbeitet hier eng mit der Fachhochschule Augstskola zusammen und berät in regelmäßigen Treffen gemeinsam, wie die Studierenden am besten in das Programm integriert werden können. Für November ist ein neues Veranstaltungsformat geplant, ein „Champions-Dinner“, wobei jeder der 15 Inkubatoren im Land selbst für seine eigenen Community-Events und die Ideen dafür verantwortlich ist.

Das Konzept ist es, eine Plattform für den Austausch zwischen Studenten, Startups und Unternehmern bereitzustellen, und Lösungsansätze für konkrete Probleme zu erarbeiten – diese Art von Veranstaltungen werden etwa viermal im Jahr organisiert. Eine der ersten Erfolgsgeschichten, die durch die Unterstützung des Valmiera Inkubators entstanden ist (Erklärung: in Betrieb seit 2017, 3 Jahre maximale Förderungszeit – somit etablieren sich jetzt die ersten Firmen im Markt), ist ein Start-up für hölzerne Memory Sticks.

12 Mitarbeiter arbeiten mittlerweile in dem jungen Unternehmen und sind sehr erfolgreich. Sie erstellen kreative Prototypen, die sie in ihrer Community testen, bevor sie in Produktion gehen. Die Firma, EWART WOODS, nutzt die Bedeutung einer wichtigen Schlüsselindustrie in Lettland – der Holzgewinnung und – Verarbeitung.

Wälder erstrecken sich über 41 % der Fläche des baltischen Landes. Die Arbeit mit Holz steckt den Letten in den Genen und wurde im Laufe der Generationen immer weiter verfeinert. Traditionelles Können bei der Holzbearbeitung, verbunden mit innovativen und interessanten Produkten ist das Ziel des jungen Start-ups, welches sich zum Ziel gesetzt hat, funktionales und wohlgeformtes Holzdesign zu entwickeln. Ein spezielles Know-how haben sie für die Entwicklung von personalisierten Produkten entwickelt.

Idee Nr. 2 für praktische Umsetzung

Idee Nr. 2 für praktische Umsetzung

Konferenzteilnehmer können sich mit Vertretern der offiziellen Stellen und des Inkubators austauschen und Betriebsbesichtigungen organisieren. Sowohl das Arbeitsumfeld als auch die Herangehensweise an Management, Atmosphäre, Ansätze für remote-work und Austausch kann sehr bereichernd sein und ganz neue Ideen implizieren.

Idee Nr. 3 für praktische Umsetzung

Idee Nr. 3 für praktische Umsetzung

Konferenzveranstalter können Bezug direkt auf verwandte Cluster nehmen (z. B. Holzindustrie) und gezielt nach Start-ups und Projekten suchen, um sich auszutauschen und ggf. Geschäftsbeziehungen zu entwickeln.

Zu 3)

Verschiedene Beispiele aus der Digital Economy in Lettland finden Sie hier auf dem Meet Latvia Showcase, über neue Services für Konferenzen werden wir noch ausführlicher berichten.

Interessante Lösungen rund um „phygital“ Events, und „Roadgames“ mit neuen Ideen für „entzerrte“ Stadtrallyes sind zwei Beispiele.